Großer Kampf wird nicht belohnt
Es ist eine Partie auf Augenhöhe, aber am Ende muss sich die U20 der Schwäbisch Hall Unicorns gegen die Düsseldorf Panther im Junior Bowl mit 13:24 geschlagen geben
von Viktor Taschner, Haller Tagblatt
Schwarz-Rot-Golden gefärbte Mittellinie, eine a cappella und mit Pathos vorgetragene Nationalhymne von Sängerin Jenny Tatum und beachtliche 1248 Zuschauer auf der Tribüne des Optima-Sportparks: Es war angerichtet für den Junior Bowl 2026, bei dem die zwei besten Jugendmannschaften Deutschlands um den deutschen Meistertitel spielten. Die U20 der Schwäbisch Hall Unicorns war der Herausforderer der Düsseldorf Panther, die viermal in Folge den Junior Bowl gewonnen hatten.
Aus Haller Sicht waren die ersten fünf Minuten zum Vergessen. Direkt nach dem Kickoff machen die Panther einen Reverse, sodass Ismael Catalayud der Ballträger ist. Catalayud nimmt Fahrt auf, die Haller verpassen die Tackles und es steht gleich mal 0:6 für die Gäste. Im anschließenden Drive wirft Halls Quarterback Nico Nussmann eine Interception, die der Düsseldorfer Jannis Schmitt abfängt. Im Gegenzug erzielen die Panther gleich den nächsten Touchdown durch Valentino Cardenas Gonzalez. Immerhin können die Unicorns den ersten PAT blocken und die Two-Point-Conversion nach dem zweiten Touchdown verhindern, sodass es lediglich 0:12 steht. Die kalte Dusche müssen die Haller aber hinnehmen.
Stück für Stück reingebissen
Nicht wenige dürften sich an das Vorjahresfinale erinnert gefühlt haben, als die Panther an gleicher Stelle die Unicorns überrannt haben und am Ende deutlich mit 0:49 triumphierten. „Wir haben aber gewusst, was wir können und dass wir besser spielen können als letztes Jahr. Wahrscheinlich waren wir am Anfang noch zu nervös“, sagt Unicorns-Headcoach Patrick Staudacher. „Wir mussten die Spieler erstmal wieder motivieren.“ Und das klappt aber auch, weil die Unicorns sich in dieses Spiel zurückbeißen. Stück für Stück finden sie wieder rein, immer wieder ist die Haller Offense mit Läufen durch die Mitte erfolgreich, weil die Offense Line gut arbeitet, die Lücken öffnet und Halls Running Back Elias de Oliveira Käppler da hineinstößt.
Aber die Unicorns lassen Chancen liegen. Ende des ersten Viertels arbeiten sich die Haller über das ganze Feld. Nach einem Pass auf Luis Hörterich wird dieser noch auf der Ein-Yard-Linie gestoppt. Anschließend vermasselt die Offense aber einen Snap, sodass die Unicorns wieder Raumverlust erleiden. Und das am Ende gekickte Fieldgoal aus kurzer Distanz geht daneben. Und trotzdem sind die Unicorns nun im Finale um die deutsche Meisterschaft angekommen, weil sich eine Partie auf Augenhöhe entwickelt. Am Ende des zweiten Viertels belohnen sich die Gastgeber auch. Nach einem abgeprallten Punt der Panther schnappt sich Halls Johannes Lenz den Ball, sein Touchdown wird aber von den Referees zurückgenommen, weil Lenz wohl bei seinem Sprint auf die Außenlinie trat. Die Unicorns bringen den Ball jedoch nochmal in die Endzone, da de Oliveira Käppler wieder eine Lücke findet. Der Extrapunkt von Flavio Tripi sitzt, sodass es mit 7:12 in die Pause geht.
Das erste Mal in Führung gehen die Haller am Ende des dritten Viertels. Erst misslingt ein Field-Goal-Versuch der Düsseldorfer komplett und der Ball trudelt wieder zurück in ihre Hälfte. Die Unicorns schlagen daraus
Kapital. Jayden Walker läuft eine kurze Route nach innen und fängt den Ball in der Endzone zum 13:12. Ein Spiel, bei dem das Momentum oft hin und her wechselt, nimmt im letzten Abschnitt auch im Ergebnis eine Wende, weil die Panther als Titelverteidiger ihre Krallen zeigen. Erst forciert Jannik Schmitt ein Fumble, weil de Oliveira Käppler – der ansonsten ein sehr starkes Spiel macht – den Ball nach einem Tackle von Schmitt fallen lässt und Schmitt den Fumble sichert. Und dann zündet Ismael Catalayud wieder den Turbo. „Ich war ein wenig sauer, einfach auf die Umstände. Ich wollte etwas machen“, sagt Catalayud. „Die Haller haben wirklich einen echten Kampf geliefert“, zollt der Düsseldorfer Running Back Respekt. Vor allem Linebacker David Bartschat hielt die Panther mit etlichen Tackles oft auf. Aber auch er war dann machtlos, als Catalayud einen Lauf bis zur Drei-Yard-Linie hinlegte und anschließend selbst zu seinem zweiten Touchdown lief. Düsseldorf war so wiedermit 18:13 in Führung gegangen.
„Hat nicht viel gefehlt“
Die Haller Offense kann in den nächsten zwei Drives ihre Plays nicht mehr machen. Eine Minute vor Schluss erhöht Clinton Nnamchi für Düsseldorf zum 24:13-Endstand. Am Ende haben die Panther weniger Turnover produziert und von ihrem starken Start und ihrem starken Endspurt profitiert. „Es waren Kleinigkeiten, die den Unterschied gemacht haben. Es hat heute nicht viel gefehlt“, sagt Patrick Staudacher. Der Haller Headcoach ist trotzdem stolz auf sein Team. „Wir haben gekämpft und eine Top-Leistung abgeliefert.“
Ismael Catalayud ist wie im Vorjahr wieder zum MVP des Junior Bowls gewählt worden. Es ist seine vierte deutsche Meisterschaft. Für die Panther ist es der fünfte Titel in Folge und die 20. deutsche Meisterschaft in der Jugend insgesamt. Der Headcoach des alten und neuen deutschen Meisters, Marvin Damm, lobt seine Mannschaft: „Wir haben am Ende die richtigen Anpassungen gemacht und unsere Stärken ausgespielt, und das waren heute unsere Runningbacks. Wir haben alle daran geglaubt. Mir war klar, dass es nicht so eindeutig sein wird wie letztes Jahr.“ Sein Gegenüber Staudacher zeigt sich nach zwei verlorenen Finals gegen den gleichen Gegner wieder angriffslustig. „Es fühlt sich ein bisschen so an wie damals in den German Bowls gegen die Braunschweig Lions. Da haben wir auch mal klar verloren und ein Jahr später knapp dran. Und danach haben wir gewonnen“, erinnert sich Staudacher, der damals als Spieler auf dem Feld stand. Die Unicorns werden also mit ihrer U20 in der kommenden Saison wieder einen Anlauf nehmen, die Düsseldorfer vom Thron zu stoßen.
Schwäbisch Hall Unicorns – Düsseldorf Panther 13:24
Viertel: 0:12/7:0/6:0/0:12
Punkte für Hall: Elias de Oliveira Käppler (6), Jayden Walker (6), Flavio Tripi (1)
Punkte für Düsseldorf: Ismael Calatayud (12), Valentino Cardenas Gonzalez (6), Clinton Nnamchi (6)

Foto: M. Löffler
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